






In eigener SacheMit dem "Kater" erarbeitet die VHS-Theatergruppe WIR ein Stück erneut, das wir bereits vor 16 Jahren, am 28, 29. und 30. April 1982 mit großem Erfolg aufgeführt hatten. Nach einer so langen Zeit ist es ein aufregender und spannender Prozeß, sich einem Bühnenwerk erneut zu nähern. Von der damaligen Mannschaft sind derzeit noch vier Leute bei WIR mit dabei. Zwei spielen andere Rollen als damals, einer managed heute die Musikabläufe hinter der Bühne und nur der Regisseur ist damals wie heute der gleiche. Muß dann nicht die heutige Aufführung nur ein Abklatsch der damaligen sein? Kann man ein Stück nach 16 Jahren neu auf die Bühne bringen, ohne von den Erinnerungen an damals gefesselt zu sein? Man kann. In diesen 16 Jahren ist nämlich einiges passiert. WIR haben in dieser Zeit noch viele interessante Stücke erarbeitet, haben dabei an Erfahrungen gewonnen, haben neue Möglichkeiten des Ausdrucks und der Darstellung erprobt und sind in vielfacher Hinsicht auch mutiger geworden. Mit der ganz neuen Erfah-rung der Ratinger Weihnachtsmärche, die wir ja "erst" 1983 begonnen haben, hat sich uns ein neues Betätigungsfeld geöffnet, dessen Erfahrungen wir für die neue Arbeit am Kater nutzen konnten.
Das wichtigste aber ist, daß in der heutigen Aufführung vollkommen neue Leute dabei sind, die ihre eigene Persönlichkeit, ihre eigenen schauspielerischen Talente und Fähigkeiten einbringen (mit den zwei bereits erwähnten Ausnahmen). Schon dadurch ist gewährleistet, daß Sie, liebe Zuschauer, heute eine Originalproduktion erleben, die in vielfacher Hinsicht von der Aufführung vor 16 Jahren verschieden ist. WIR wünschen Ihnen viel Vergnügen....
Zum Stück....
"Der Kater oder wie man das Spiel spielt" ist Tankred Dorsts (geboren 1925 in Thüringen) erstes Theaterstück und wurde 1964 von Hans Lietzau am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg uraufgeführt. Später folgten viele Bühnenwerke, z.T. auch als Fernsehspiele sehr erfolgreich, wie z.B. Auf dem Chimborazzo, Toller, Merlin und viele mehr. Für sein Erstlingswerk bediente sich Dorst bei einem klassischen Autor, bei Ludwig Tieck. Dessen Komödie "Der gestiefelte Kater" entstand kurz nach der französi-schen Revolution, also in einer Zeit, da sich die Bürger anfingen, aus den gewach-senen monarschistisch-absolutistischen Strukturen zu lösen. Tieck bringt das Mär-chen des gestiefelten Kater auf die Bühne, das ja davon handelt, daß auch ein Bauernbursche das Zeug zum König hat, wenn er es nur geschickt genug anfängt. Die Aussage als Märchenspiel gebracht, war vermutlich in der damaligen Zeit ein Trick, um nicht allzu umstürzlerisch zu erscheinen. Doch Tieck geht weiter: Er bezieht das (damalige) Publikum mit ein und kritisiert damit auch die Ignoranz man-cher seiner Zeitgenossen gegenüber neuen Strömungen. Und er läßt Theater im Theater spielen, läßt den Alptraum aller Theaterschaffenden war werden: Er zeigt eine Aufführung die an Unzulänglichkeiten der verschiedensten Arten scheitert. Dorst hat diese Vorlage aktualisiert, hat den Dichter des Stückes zu einer heutigen Figur gemacht, wie auch die anderen realen/irrealen Figuren der Tieckschen Vor-lage. Und obwohl nunmehr auch schon wieder 34 Jahre alt, hat diese Aktualisierung auch heute noch keine Patina angesetzt. Spitzen auf Politiker und die Art Politik zu machen scheinen
jedenfalls in Deutschland von einer besonderen Zeitlo-sigkeit zu sein, was im Wahljahr 1998 ganz besonders deutlich wird. Das Stück will und soll in erster Linie unterhalten, durch echten Humor, aber auch durch Schadenfreude, wenn Zuschauer Ihresgleichen dabei beobachten, wie sie sich lächerlich machen. Daß dabei manches zeitlos gültige über das Verhältnis von Mächtigen und Regierten, von "einfachen Leuten" und der Obrigkeit transportiert wird, unterstreicht den Rang dieses Theaterspiels.
| Der König | Thomas Joppich |
| Die Prinzessin | Nicole Theyssen |
| Der orientalische Prinz | Jochen Hermanns |
| Sein Dolmetscher | Hiltrud Köhne |
| Hofgelehrte | Annette Perschau |
| Hans Wurst | Andreas Münster |
| Koch | Beate Christianhemmers |
| Gottlieb | Franz Schroers |
| Hinze | Susanne Kleucker |
| Die Wirtin | Sonja Boot |
| Bauer | Hildegard Knöbel |
| Sie | Anke Haupt |
| Er | Jochen Hermanns |
| Der Besänftiger | Hiltrud Köhne |
| Der Popanz | Ansgar M. van Treeck |
| Der Dichter | Rudolf Buscher |
| Die Dramaturgin | Sonja Boot |
| Der Bühnenmeister | Jens D. Billerbeck |
| Frau Siedendanz | Daniela Krüll |
| Herr Blume | Henning Hallmann |
| Frau Pelzig | Birgit Olligs |
| Herr Pelzig | Gereon Becker |
| Die Leutners | Antje Wegener, Carmen Metje |
| Frau Bratfisch | Marike Lindner |
| Soufleuse | Hiltrud Köhne |
| Soufleur | Ansgar M. van Treeck |
| Ton | Guido H. Bruck |
| Regie | Jens D. Billerbeck |
| Küstüme, Bühnenbild, etc. | Theatergruppe "WIR" in Gemeinschaftsarbeit |
Kritik
ã 1998
by VHS-Theatergruppe WIR