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Programm Kritiken Fotos von Aufführungen |
Undine |
12. Juni 2002, 19:30 Uhr 14.Juni 2002, 19:30 Uhr 15. Juni 2002, 19:00 Uhr Stadttheater Ratingen Eintritt frei |
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Die Stadt Ratingen verleiht
Theater WIR für "Undine"
den Förderpreis für Laientheatergruppen 2002 |
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Ratinger
Wochenblatt 19.12.2002
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23. März 1977, 19.30
Uhr. Im vollbesetzten Ratinger Stadttheater öffnet sich der Vorhang
für Jean Anouilhs Drama „Jeanne oder die Lerche“. Drei Stunden später
kann ein Experiment als geglückt betrachtet werden, dessen Auswirkungen
keiner der damals Beteiligten in dieser Form vorausgeahnt hatte: Es war
der Grundstein gelegt für eine Laienspielgruppe, die in den 25 Jahren
bis heute 38 eigene Inszenierungen produziert hat, die diese in weit über
120 Aufführungen in Ratingen und Umgebung präsentierte und die
zumindest mit dem Ratinger Weihnachtsmärchen regelmäßig
die publikumsstärkste Kulturveranstaltung der Dumeklemmerstadt präsentiert.
Vieles hat sich seit 1977
geändert, doch die Theatergruppe WIR, wie sie sich seit 1978 nannte
und die heute als Theater WIR – Theatergruppe der VHS Ratingen - firmiert,
ist in wesentlichen Elementen die gleiche geblieben: Hier kommen Menschen
unterschiedlichsten Alters aus verschiedenen Berufen zusammen, um in ihrer
Freizeit Theater zu spielen. Mit viel Engagement, unendlich viel Spaß
aber auch mit großer Ernsthaftigkeit und Respekt gegenüber den
literarischen Vorlagen. Bühnenbild, Kostüme, Plakate, Programmhefte
– alles wird weitgehend in Eigenarbeit organisiert und das ohne einige
einzige Mark an direkten öffentlichen Zuschüssen.
Wenn wir heute Abend „Undine“
von Jean Giraudoux spielen, so ist das einerseits eine Art Resümee
von 25 Jahren Theaterarbeit in Ratingen. Denn begonnen hat es für
uns mit Anouilh, einem französischen Autor, der stark von Giraudoux
beeinflusst wurde. Andererseits ist aber auch diese Produktion wieder etwas
ganz neues, spielen auch hier wieder Menschen mit, die erstmalig mit unserer
Gruppe in Berührung kommen. Neben Ihnen stehen „alte Hasen“, die schon
vielen Rollen – ernsten wie heiteren – ihr eigenes Profil gegeben haben.
Laienspiel in seiner idealen
Form ist auch immer ein Stück Lernen. Wir sind keine fertigen Schauspieler,
die mit ihrem „Handwerkszeug“ sich einer Rolle nähern. Wir haben unterschiedlichste
Erfahrungshorizonte, sind bühnenerprobt oder Neulinge. Und doch steht
als Ziel, Ihnen liebe Zuschauer eine geschlossene Leistung zu präsentieren,
Ihnen einen Eindruck vom Zauber dieses Stückes zu geben, wie wir es
in den vergangenen Wochen während der rund dreißig Proben immer
intensiver erleben durften.
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Eugenie
Andreas Hans Undine Drei Nixen Wasserkönigin
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Carmen Metje
Ansgar van Treeck Thomas Joppich Annette Perschau Anke Haupt Tanja Maier Daniela Krüll Birgit Olligs Thomas Uhr Daniela Krüll Hiltrud Köhne Sascha Tuxhorn Nicole Theyssen Franz Schroers Carmen Metje Henning Hallmann Anke Haupt Daniela Krüll Sascha Tuxhorn Saskia Weilandt-Lentzen Florian Uhr Tanja Maier Claudia Freund Daniela Krüll Herribert Börnichen Tanja Maier Herribert Börnichen Hiltrud Köhne |
Spieldauer 3 ¼ Stunden. Pause nach dem 2. Akt (ca. 2 Stunden)
wir danken dem Stadthallen-Restaurant
für die Überlassung der Stühle
Gedanken zu „Undine“
Vom wichtigsten Motiv des
deutschen Romantikers, der Verwandlung eines launisch-sprunghaften Kobolds
in eine züchtige, engelsmilde Hausfrau hat Giraudoux nichts übernommen:
bei Fouque ist es so, dass Undine in der Hochzeitsnacht eine „Seele“ bekommt.
Und als wahrhaft seelenlose entpuppt sich jene Bertalda, die bei Giraudoux
Bertha heisst, die Menschenfrau also, der die Unschuld der Natur verloren
gegangen ist. Die Welt der Wassergeister hat nach Fouque alles Schöne
besessen, woran „die heutige sich zu freuen nicht mehr würdig ist“.
Dieses romantische Material
hat Giraudoux in eine Allegorie umgewandelt, deren poetische Schleier nur
leicht gelüftet zu werden brauchen, um einen unromantischen Sinngrund
frei zu legen. Undine ist die Liebe. Sie ist die Liebe im Stadium der Reinheit,
der Anmut, der Durchsichtigkeit, unvermischt durch die Bedingtheit des
Menschlich-Allzumenschlichen. Diese Liebe liebt bis zur Blasphemie. Der
Geliebte ist ihr Gott. Sie ist auch die Güte, und somit ist ihr selbst
das Leiden um den Geliebten noch Glück. Alles, was Undine im dritten
Akt auf sich nimmt, Lüge und Anklage, geschieht nur, um den Geliebten
zu retten. So kann sie kein irdisches Wesen sein. Durch sie hindurch geht,
unvermischt und daher uneingeschränkt, die Seele der Welt, die allgemeine
Seele, die alle Natur durchweht. Im Gegensatz zu ihr besitzt der Mann,
der Menschenmann, nur ein kleines, eingegrenztes Stück dieser allgemeinen
Seele, und nur selten geschieht es, dass das große Brausen der allgemeinen
Seele durch diese kleinen Seelchen hindurchweht. Es ist eine tiefe Erfindung
des Dichters, dass dies dem dummen Hans angesichts des Todes geschieht.
Wenn die Eitelkeiten der Welt hinfällig geworden sind, werden Männer
seiner Art plötzlich „logisch“ wie die Pflanzen, wie die Wasser, wie
Gott. Aber auch mit Undine hat sich etwas geändert. Nie mehr wird
sie die alte Nixe sein können, da sie einmal versucht hat, einen Menschen
auf dieser armen Erde glücklich zu machen. Ja, sie wurde durch diesen
Versuch die menschlichste Frau, die es jemals gegeben hat, „denn sie war
es aus freiem Willen“, aus freien Stücken.
So spinnt der Dichter die
Fäden seiner Allegorie. Nichts daran ist wirkliches Geschehen. Aber
in den erfundenen Zügen erkennen wir das Leben, wie es ist, die Menschen,
wie sie sind, und das Wunderbare, das durch uns hindurchgeht, ohne dass
wir es je ganz fest zu halten und bleibend zu verwirklichen vermöchten:
die Liebe, die Güte, das Opfer.
Jean-Paul Sartre hat ein
schönes Wort über Giraudoux gesagt: „Ein romanesques Universum
erscheint und verführt uns durch seinen unerklärbaren Charme.
Man nähert sich ihm und man entdeckt eine aristotelische Welt.“ Diese
„Undine“ ist ein Beispiel dafür, wie ein Dichter das Material und
das Instrumentarium der Romantik benützt, um die Wirklichkeit durchsichtig
zu machen und uns zum Sinngrund unserer Daseins zu führen.
Siegfried Melchinger, Nachwort
zu „Undine“, Reclam-Verlag, Stuttgart
Undine in Raum und Zeit
Wassergeister bevölkern
die Mythen und Märchen der Menschen seit Urzeiten. Gerade in der Romantik
begann der Stoff sich auch auf dem Theater in vielfältigen Bearbeitungen
auszubreiten. Allein die romantische Erzählung „Undine“ von Friedrich
de la Motte Fouque inspirierte eine ganze Reihe von Bühnenwerken:
E.T.A. Hoffmanns Oper „Undine“, Albert Lortzings gleichnamige Oper und
das heute zu sehende Schauspiel von Jean Giraudoux. Auch in Antonin Dvoraks
Oper „Rusalka“ finden sich Undine-Motive, wie auch im 20. Jahrhundert in
Hans-Werner Henzes „Melusine“.
Giraudoux, der eine Vorliebe
für antike Stoffe hatte (sein Stück „Amphytrion 38“ nannte er
so, weil er ironisch vermerken wollte, die wievielte Dramatisierung diese
Version darstellte), griff schon mit seinem ersten Stück „Siegfried“
(nach seinem Roman „Siegfried et le Limousin“) auch ein Sujet auf, das
seine tiefe Verbindungen zu allem Deutschen zeigt, das ein Plädoyer
für die Versöhnung der beiden Nationen ist. In Undine wird diese
Affinität des Autors zur deutschen Sagenwelt offensichtlich und in
sanfter, poetischer Ironie präsentiert: Andreas und Eugenie, ein deutscher
und ein französischer Name, Hans und Undine; der urdeutsche Ritter
und das eher französisch anmutende Wasserwesen ergeben das äußere
Spannungsfeld, das um so brisanter ist, als dass das Stück 1938 entstand
und bis 1940 in Frankreich aufgeführt wurde.
Inhaltlich interessant ist
Giraudoux Anspielung auf die Oper Lohengrin von Richard Wagner. Wagner,
einer der bis heute einflussreichsten und umstrittensten Komponisten (und
Bühnendichter!) des 19. Jahrhunderts, hat sich vieler mittelalterlicher
Sagenstoffe bedient und deren spätromantische Rezeption mitgeprägt:
Lohengrin, die Tannhäuser-Sage, das Nibelungenlied oder Wolfram von
Eschenbachs Parsival-Epos. Alle diese Stoffe dienten ihm dabei nur als
Ideenlieferant für eine ganz eigene Interpretation und einen sehr
freien Umgang mit der überlieferten Vorlage.
Genau so verfährt Giraudoux:
Er nutzt Fouques Vorlage als Ideensammlung und komponiert daraus ein eigenständiges
Kunstwerk, das weit über das romantische Märchen hinausgeht.
Das bewußte Lohengrin-Zitat beruht einerseits auf inhaltlichen Parallelen
(s. Undine – Lohengrin – Isolde), andererseits sorgt es für historische
Ambivalenz im Schauspiel. Denn spätestens im 2. Akt wird die zeitlich
fixierte Erzählweise verlassen, spielt der Autor auch mit Zeit und
Raum. Willkürlich lässt er die Wasserkönigin ( als Zauberkünstler
getarnt) den Zeitablauf beschleunigen, hebt kausale Zusammenhänge
und Zeitabläufe total auf. Die so inszenierten Begegnungen zwischen
Hans und Bertha finden eigentlich erst nach dem Empfang beim König
statt – zu einem Zeitpunkt, da Bertha längst verstoßen und auf
Hans Burg gezogen ist. Doch solche „technischen“ Überlegungen zum
Zeitablauf helfen nicht weiter, letztlich dienen alle Szenen der Charakterzeichnung
der Figuren; am Ende des zweiten Aktes sind – wie auch immer – zehn Jahre
vergangen, in denen sich alle erlebten Szenen irgendwann zugetragen haben.
Als ruhender Pol in diesem
turbulenten Akt steht die große Schlüsselszene zwischen Undine
und der Königin Isolde. Dies ist nur z.T. die Isolde Wagners. Nicht
die hassende, zur Rache drängende und dann bis in den Tod liebende
Frau, sondern die Weise, die Naturheilerin, die Menschen und Natur durchschauende
Frau. Nur ihr, die Undines Wesen erkennt, kann diese sich öffnen und
anvertrauen. Doch letztlich helfen kann diese Isolde ihr auch nicht.
Kurz darauf treibt Giraudoux
sein Spiel mit der Zeit dann auf die Spitze: Nixe und Wasserkönigin
zeigen im „Zwischenspiel“ bei Hofe Berthas wahre Herkunft als Tochter des
Fischerpaares Eugenie und Andreas, gleichzeitig präsentiert ein Sängerpaar
sich als Elsa und Lohengrin, den Protagonisten aus Wagners Mitte des 19.
Jahrhunderts uraufgeführter letzter „romantischer Oper“. Diese Sänger
sind Repräsentanten eines imaginären, sich romantisch gebärdenden
Hoftheaters des ausgehenden 19. Jahrhunderts, in dem Giraudoux diesen 2.
Akt möglicherweise angesiedelt hat, sie müssen aber neben dem
„wahren“ Geschehen - der Enthüllung von Berthas Herkunft - zwangsläufig
zur Karrikatur verkommen.
Eine dramatische Konstruktion
wie dieser 2. Akt ist nur auf dem Theater möglich – was Giraudoux
im übrigen den Hofmarschall auch ausführlich erklären lässt
– und das war uns Motivation, ihn auch sichtbar auf einem Theater spielen
zu lassen, dem unsrigen nämlich, dem Ratinger Stadttheater.
Im 3. Akt gelingt Giraudoux
übrigens noch ein ironischer Seitenhieb: Auf den Dämonenglauben
des Mittelalters, die Furcht vor Wasser- und anderen Geistern, die sich
in den beiden Richtern manifestiert. Die Ironie liegt darin, dass wir Betrachter
des 21. Jahrhunderts wissen (oder zu wissen glauben) dass es Dämonen
nicht gibt. Alles was im „finsteren“ Mittelalter als Hexe verbrannt ersäuft
oder anders zu Tode gebracht wurde, waren Menschen, die entweder auffällig
oder schlicht unliebsam waren. Kein Wunder also, dass diese Richter den
Naturgeist, wenn er denn tatsächlich(!) vor ihnen steht, gar nicht
erkennen können. So müssen sie zwangsläufig zu dem Urteil
kommen, dass der Wassergeist das menschlichste Geschöpf überhaupt
gewesen sei....
Und damit machen sie den
Weg frei, für das endgültige Urteil der Wasserkönigin...
Jens D. Billerbeck
Undine – Lohengrin - Isolde
Undine und Lohengrin – was
motiviert Jean Giraudoux, die Geschichte des liebenden Wassergeistes mit
der des Schwanenritters (in Richard Wagners opernhafter Manifestation)
zu koppeln? Lohengrin ist wie Undine ein Fremder in der Welt der Menschen.
Er bewahrt Elsa von Brabant vor der falschen Anschuldigung, ihren Bruder
Gottfried ermordet zu haben. Im Gottesgericht besiegt er den Intriganten
Friedrich von Telramund und gewinnt damit Elsas Liebe. Von dieser fordert
Lohengrin, sie müsse bedingungslos sein: „Nie sollst Du mich befragen“.
Elsa muss ihn lieben, ohne ihn nach seiner Herkunft zu fragen. Das geht
nicht lange gut: Gezielt ausgestreute Gerüchte um eine zweifelhafte
Herkunft des Schwanenritters tun das ihrige, und noch in der Hochzeitsnacht
stellt Elsa die verhängnisvolle Frage. Lohengrin muss seinem Schwur
folgen, und die zweifelnde Gemahlin verlassen.
Auch hier liegt – wie in
Undine – ein Pakt vor, der den handelnden Menschen unbekannt ist: Lohengrin
muss die Menschen meiden, wenn seine Herkunft als Gralsritter erkannt wird.
Undine verpfändet Hans‘ Leben dem Wasserkönig, sollte dieser
ihr untreu werden. Und wie Lohengrin scheitert Undine letztlich daran,
dass der Mensch nicht in der Lage ist, ein Ideal zu akzeptieren, ohne es
zu hinterfragen, ohne es im wahrsten Sinne des Wortes „in Frage zu stellen.“
Die Liebesschwüre zwischen
Elsa und Lohengrin, die Giraudoux in der Theaterszene des zweiten Aktes
parallel zur Erläuterung von Berthas Herkunft stellt, gibt es in dieser
Form in der gesamten Oper Lohengrin nicht. Sie passen inhaltlich und von
der Diktion eher zu einem anderen, mittelalterlichen Schicksalspaar, das
Giraudoux gleichfalls – wenn auch eher beiläufig – in Undine zitiert:
Zu Tristan und Isolde.
Auch Motive dieser Wagner-Oper
finden sich in Undine: Tristan, Neffe König Markes von Cornwall, erschlägt
im Kampf den irischen Helden Morold und schickt zur Demütigung der
Feinde dessen abgeschlagenes Haupt nach Irland. Tristan selbst, von Morold
schwer verwundet, lässt sich auf See treiben, um Heilung zu finden.
Es verschlägt ihn gleichfalls nach Irland und er wird unerkannt von
Isolde, Morolds Geliebter, gepflegt. Als Isolde in Tristans Schwert eine
Scharte entdeckt, die genau zu einem Splitter in Morolds Haupt passt, erkennt
sie den Möder ihres Geliebten. Sie tritt mit dem Schwert vor Tristan,
um ihn zu töten. Doch der Blick des Verwundeten weckt in ihr die Liebe
zu Tristan, sie lässt das Schwert sinken.
Zurück in Cornwall
soll Tristan seinem Onkel Marke eine königliche Braut werben: Die
Wahl fällt auf Isolde. Tristan soll sie in Irland abholen und Marke
zuführen. Auf dem Schiff fühlt sich Isolde verraten, sie will
sich und den untreuen Geliebten mit einem Gifttrank umbringen. Doch Isoldes
Dienerin vertauscht den Trank und beide erkennen im scheinbaren Tod erneut
ihre Liebe. Marke muss sich daraufhin von Tristan verraten vorkommen und
klagt diesen heftig an. Tristan sieht nur den Ausweg im Selbstmord, er
stürzt sich in das Schwert eines Höflings. Schwer verwundet träumt
er erneut von Isolde, der Heilerin, die schon Morolds Wunde kurierte. Sie
erscheint im Augenblick seines Todes. Marke, der erkennt, wie es um Tristan
und Isolde stand, verzichtet und beklagt die Tragödie. Isolde bleibt
nur der Tod, in dem sie ihrem Geliebten folgt.
Verratene Liebe, das Vergessen
einst geliebter Menschen, auch das findet sich in Undine: Hans vergisst
Bertha, die sich von ihm verraten fühlt. Dass sie ihren einstigen
Geliebten nach Undines Verschwinden wieder gewinnt, weiht Hans dem Tode.
Und Undine liebt so selbstlos, dass sie um Hans zu schützen, eine
eigene Schuld vorgibt, die den Pakt mit der Wasserkönigin brechen
soll. Dass sie diese Hintergründe, ihre Verstrickung, ausgerechnet
im Dialog mit der Königin Isolde erkennt, ist ein genialer Kunstgriff
Giraudoux‘: denn Wagners Isolde ist beides: Verratene Geliebte (Bertha)
und bedingungslos bis über den Tod (das Vergessen) hinaus Liebende
(Undine). jdb
Texte:
Undine: Ich heiße
Undine
Hans: Ein schöner
Name
Undine: Hans und
Undine, es gibt keine schöneren Namen auf der Welt, nicht wahr? Immer
geht Hans einen Schritt vor ihr her... Bei den Festlichkeiten....Beim König....Im
Alter. Hans stirbt zuerst... Das ist furchtbar.... Aber Undine holt ihn
rasch ein, sie tötet sich selbst. (Undine, 1. Akt)
Isolde: Doch unsere
Liebe, heißt sie nicht Tristan und Isolde? (...)
Doch dieses Wörtlein:
und - wär es zerstört, wie anders als mit Isoldes eignem Leben
wär Tristan der Tod gegeben. (Tristan und Isolde, 2. Akt)
Hans: Es ist ein wahres Lebewohl. Wenn sich sonst zwei Liebende im Blick des Todes trennen, wissen sie schon, dass sie sich wiedersehen, im künftigen Leben sich finden ohne Ende, sich ohne Unterlass zur Seite sind, ohne Unterlass einander tief durchdringen – denn sie werden Schatten im gleichen Land sein. Sie haben sich getrennt, um sich nie zu trennen. Aber Undine und ich ziehen die Segel für immer nach getrennten Küsten auf, und ihr Ziel ist das Vergessen, meins das Nichts. Das muss man sich bewahren... Der erste Abschied, Undine, der seinen Namen treu verdient. (Undine, 3. Akt)
Tristan und Isolde: So stürben wir, um ungetrennt, ewig einig ohne End, ohn Erwachen, ohn Erbangen, namenlos in Lieb umfangen, ganz uns selbst gegeben, der Liebe nur zu leben! (Tristan und Isolde, 2. Akt)
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