Medienzentrum Ratingen
Eintritt 10 DM, ermäßigt
8 DM
Ankündigung
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Kritik
In eigener Sache...
Seit unserer Aufführung von Sartres
„Bei geschlossenen Türen“ im Lesecafe des Medienzentrums im Mai 1992
stellt sich uns bei jeder neuen Inszenierung die Frage, ob wir sie im Stadttheater
Ratingen oder hier, im Lesecafe aufführen sollen. Für das Lesecafe
spricht eindeutig die Intimität, die Nähe zwischen Zuschauer
und Bühne, die ein ganz unmittelbares Theatererlebnis ermöglicht.
Das Stadttheater trumpft dagegen mit seiner großen Bühne und
der – trotz einiger Mängel – guten technischen Ausstattung auf. Deswegen
kehrten wir nach Wilders „Wir sind noch einmal davongekommen“, das wir
1995 auch hier im Lesecafe aufführten, zunächst wieder ins Stadttheater
zurück. Unsere Inszenierung zum20jährigen Bestehen, Camus „Der
Belagerungszustand“ (1997) und in den folgenden Jahren die beiden Komödien
„Der Kater oder wie man das Spiel spielt“ von Tankred Dorst und „Der Florentinerhut“
von Eugene Labiche brauchten die große Bühne. Jetzt aber ist
es Zeit, wieder einmal ins Lesecafe zurückzukehren.
Eine Familiengeschichte, wie sie „Regenzeit“
im Prinzip darstellt, kann von der Nähe zum Publikum nur profitieren
und die Tatsache, dass das ganze Stück in nur einem Bühnenbild
spielt, kam unserer Überlegung entgegen.
Was Sie, liebe Zuschauer, nun heute sehen
werden, ist wieder einmal das Ergebnis einer kurzen, aber intensiven Probenarbeit.
Seit Anfang März haben wir in rund 25 Proben, z.T. in einzelnen Gruppen,
meist aber mit dem ganzen Ensemble, die Charaktere dieses australischen
Spiels erarbeitet. Dabei ist es immer wieder ein spannender Prozess, wie
die einzelnen Personen Leben bekommen, wie ihre Gedanken und Motive zunächst
den Darstellern immer klarer werden und dann auch entsprechend „über
die Rampe“ gebracht werden können. Die Schwierigkeit, Menschen darzustellen,
die eine Vergangenheit und eine Zukunft haben, die im Laufe des Stücks
eine Entwicklung durchmachen, ist dabei auch der größte Reiz
gewesen.
Es zeigte sich uns schnell, dass alle
Probleme, die in „Regenzeit“ angesprochen werden, durchaus aktuell sind
und uns auch heute etwas angehen. Die Epoche, in der das Stück spielt
– Ende der 20er Jahre – und der Ort – eine abgelegene Bananenplantage –
stehen stellvertretend für enge Moralvorstellungen bzw. für Abgeschiedenheit,
eingesperrt sein und Einöde. Doch der Generationskonflikt würde
auch heute - in anderer Form - genau so funktionieren. Nur wäre Tess
dann vielleicht erst 17, die einsame Farm eine ebenso einsam machende Großstadtwohnung
und so weiter und so fort. Auch die Begegnung Esthers mit ihrer Jugendliebe,
die plötzlich die jahrelange Ehe mit John in Frage zu stellen droht,
ist nicht an Ort und Zeit gebunden. Und das Geschwätz „wohlmeinender“
Nachbarinnen würde wohl auch heute noch genau so stattfinden, wie
Sie es nachher auf der Bühne sehen werden.
„Regenzeit“ heißt im Original übrigens
„We have our dreams“ und in der Tat geht es das ganze Stück über
vor allem um Träume. Um die kleinen und großen Träume von
Glück, Liebe, Reichtum, Erfolg, Karriere.... John, aus ärmlichen
Verhältnissen in der Stadt stammend, hat sich mit der Bananenplantage
Ridgelands seinen Traum erfüllt: Er hat ein Stück Land, eine
gute Frau und drei Kinder. Esther dagegen hat ihre eigenen Träume
denen ihres Mannes untergeordnet. Sie, die in der Stadt studiert hat und
ein durchaus geselliges Leben führte, hat sich in der Einsamkeit nur
mühselig eingefunden; die drei Kinder, Janet, Brent und Tessa, sind
seit langem ein wesentlicher Teil ihres Lebens. Vor allem Tessa ähnelt
der Mutter, hat hochfliegende Träume und empfindet das Dasein auf
dem Land als Belastung. Auch Brent, der Talent zum Malen hat, kommt mit
dem Leben als Farmer nur bedingt zu recht, doch ist für ihn die Loyalität
mit der Familie höher zu bewerten, als die eigenen Wünsche. Und
Janets Träume schließlich sind ganz die, die ihr Vater einst
hatte: Ein Haus, ein Stück Land, eine Familie und ein Teeservice.
Und so geht es praktisch bei allen handelnden Personen weiter: Die einen
erfüllen ihre Träume, andere resignieren und wieder andere sind
zufrieden mit ihrem Leben und mit ihrem kleinen Glück, das sie trotz
aller Widrigkeiten irgendwann finden werden.
Jens D. Billerbeck
Besetzung
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Esther Bainton
John Bainton Tessa Bainton Janet Bainton Brent Bainton Hattie Hicks Leila Nolan Mrs. Hicks Mrs. Brown Mrs. Tomkins Tony Gaydon Dr. Daile Craig Gerald Craig Joe Dolan Regie
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Anke Haupt
Gereon Becker Nicole Theyssen Carmen Metje Jochen Hermanns Daniela Krüll Janina Pigaht Hiltrud Köhne Birgit Olligs Saskia Weilandt Thomas Joppich Franz Schroers Ansgar van Treeck Henning Hallmann Jens D. Billerbeck
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Drei Akte (sechs Bilder), Pause nach dem
dritten Bild
Spieldauer rund 2 ½ Stunden
Aufführungsrechte: Vertriebsstelle
und Verlag Deutscher Bühnenschriftsteller und Bühnenkomponisten
GmbH,
22844 Norderstedt
ã 2000
by VHS-Theatergruppe WIR, Fotos: van Treeck, Bruck